Die EWF 2026 liegt nun bereits einige Wochen zurück, doch ein Moment bleibt besonders lebendig in Erinnerung – ein Augenblick, der weit über das reine Fliegenwerfen hinausging und viele der Anwesenden sichtlich berührt hat.
Unter den zahlreichen spannenden Wurfdemonstrationen, technischen Vorführungen und Begegnungen mit bekannten Persönlichkeiten der Fliegenfischerei war es vor allem die letzte Demo von Charles Jardine, die sich als emotionaler Höhepunkt des gesamten Events herauskristallisierte. Nach mehr als 50 Jahren aktiver Präsenz auf Messen und Veranstaltungen zog er damit einen Schlussstrich unter seine Laufbahn als öffentlicher Caster auf solchen Bühnen.
Charles Jardine ist seit Jahrzehnten eine feste Größe in der internationalen Fliegenfischerei – nicht nur als exzellenter Werfer und Lehrer, sondern auch als Künstler und Mensch mit einer außergewöhnlichen Fähigkeit, Inhalte intuitiv und oft ganz ohne viele Worte zu vermitteln. Seine Demos waren schon immer etwas Besonderes: Eine Übersetzung war im Grunde nie wirklich notwendig, denn seine „Message“ kam stets direkt, emotional und visuell bei den Zuschauern an.

Viele, die ihn über die Jahre erlebt haben, kennen seine ganz eigene Art der Präsentation. Er trat barfuß auf, bewegte sich selbstverständlich im Casting-Pool und scheute sich nicht davor, sich mitten ins Wasser zu legen, um Techniken anschaulich zu demonstrieren oder einfach den Moment zu leben. Diese Mischung aus Fachwissen, Humor und völliger Authentizität machte seine Auftritte unverwechselbar.

Auch eine persönliche Verbindung besteht seit vielen Jahren. Über 18 Jahre hinweg durfte ich ihn immer wieder begleiten, ohne seine Demos je übersetzt zu haben – schlicht, weil es kaum möglich ist und auch gar nicht notwendig war. Seine Art zu vermitteln funktioniert über Präsenz, Gestik und Leidenschaft.
Am letzten Tag der Veranstaltung entstand schließlich ein besonders bewegender Moment: Spontan wurden zwei Gläser Weißwein organisiert, und gemeinsam versammelten sich Kollegen und Freunde rund um den Casting-Pool. Nach seiner finalen Demonstration erhielt er Standing Ovations von allen anwesenden Zuschauern – ein stiller, aber kraftvoller Ausdruck von Respekt, Dankbarkeit und Wertschätzung für ein außergewöhnliches Lebenswerk.


Neben diesen Erinnerungen bleibt auch seine künstlerische Seite unvergessen. Im Laufe der Jahre entstanden zahlreiche Zeichnungen und Illustrationen, die seine besondere Sicht auf die Natur und die Fischerei widerspiegeln. Eine von ihnen – eine wunderschön gezeichnete Brown Trout – gehört zu meinen persönlichen Favoriten, die ich 2011 von Charles bekam.

Noch mehr jedoch bleibt die humorvolle Darstellung einer „trommelnden Forelle“ mit cooler Sonnenbrille im Gedächtnis – ein Beispiel für seinen einzigartigen Blick auf die Welt zwischen Kunst, Natur und Augenzwinkern. Sie hängt bei mir neben der Baron Trout.

Wer sich mit der Geschichte der modernen Fliegenfischerei beschäftigt, wird unweigerlich auf sein Werk und seinen Einfluss stoßen. Es lohnt sich sehr, im Netz nach seinen Arbeiten, Vorträgen und künstlerischen Werken zu suchen. Denn hinter der beeindruckenden Technik steckt immer auch ein tieferes Verständnis für Natur, Bewegung und das Leben selbst.
Die EWF 2026 wird vielen als eine Messe voller spannender Demos in Erinnerung bleiben – für einige jedoch vor allem als der Moment, in dem eine Legende der Fliegenfischerei still und würdig von der großen Bühne abtrat.
JF//2026-05